Heute möchte ich Euch von einer Pflanze erzählen, die vor noch nicht all zu langer Zeit als „Blume des Jahres“ galt.
Im Jahr 2023 wurde sie (von der Loki Schmidt Stiftung) zu dieser gekürt, und ich vermute, dass in diesem Zusammenhang einige Menschen überhaupt erst wieder auf sie aufmerksam wurden. Dabei ist diese Pflanze fast auf der gesamten Nordhalbkugel der Erde zuhause. Man findet sie auf Wiesen und an Waldrändern und braucht auch keine Bedenken haben, wenn sie im heimischen Rasen auftaucht: Sie verträgt häufiges Mähen und gedeiht weiter. Sie gilt mit ihren lila Blüten und ihrem Nektar als gute Bienenweide. Okay, manch ein Fan von perfektem englischen Rasen wäre sie lieber direkt wieder los… aber er weiß vielleicht nicht, wen er da vertreibt:
Die kleine Braunelle ist ein wahres Wundermittel. Bereits im Mittelalter galt sie als die wichtigste Heilpflanze bei der Behandlung von Diphterie. Namen wie „St. Antonikraut“ und „Gottheil“ bezeugen, dass dieser Pflanze einst eine große Bedeutung beigemessen wurde.
Heute ist sie bei uns eher in Vergessenheit geraten, in der TCM (Traditionelle chinesische Medizin) hat sie jedoch immer noch einen Platz.
Sie kann virale und bakterielle Infekte abwehren und wird bei Hauterkrankungen äußerlich und bei Halserkrankungen innerlich eingesetzt.
Durch die enthaltenen Gerbstoffe wirkt sie ebenfalls heilend auf die Leber.
Essbar sind sowohl die Blüten als auch die Blätter. Für medizinische Anwendungen wird ein Sud oder ein Heilwein zubereitet. Dieser wird gegurgelt oder getrunken. Gerade die Vielfalt der Gerb- und Bitterstoffe, die der Nahrung heute meist fehlen, sind wichtig zur Stärkung der Immunabwehr des Menschen.
Mit der kleinen Braunelle finden wir auf der Wiese eine immunstärkende Pflanze, die es gilt, wieder in die tägliche Ernährung zu integrieren.
Forschungen gehen sogar so weit, dass die Braunelle in der Krebsbehandlung, zur Bekämpfung von HIV und Herpesviren eingesetzt werden kann. Auch bei der Behandlung von empfindlicher Haut kann die kleine Braunelle zum Einsatz kommen.
Bis die wissenschaftlichen Forschungen so weit sind, bleibt uns Phytotherapeuten jedoch uns auf die alten, überlieferten Eigenschaften zu stützen und die Pflanze in unsere Ernährung einzubinden: Im Salat, als Tee, als Sud für die Haut. Damit haben wir schon einiges an Heilkraft für uns gesichert.